Das Problem: die alte Systemfrage greift zu kurz
Der heutige Kapitalismus produziert extreme Ungleichheit, belastet die Umwelt und setzt die Demokratie unter Druck; der historische Sozialismus hat auf dieselbe Frage mit Zwangskollektiv und Kommandowirtschaft geantwortet — und ist daran gescheitert. Beide Antworten stammen aus einer Zeit, in der Menschen fast die gesamte Produktion trugen. Wenn Maschinen, Algorithmen und KI einen wachsenden Teil der Arbeit übernehmen, wird die entscheidende Frage eine andere: Wer kontrolliert die Systeme, die produzieren — und nach welchen Regeln wird ihr Ertrag geteilt? ZESSARIA ist der Versuch, diese Frage als vollständiges Regelwerk zu beantworten.
Was ZESSARIA ist
ZESSARIA ist ein dokumentierter 100-Punkte-Korpus für den demokratischen Kooperatismus; der Kern (Punkte 1–80) bildet den Wirtschafts- und Gesellschaftskorpus. Ein Stammblatt — der Zahlen-Kanon — legt als Single Source of Truth die verbindlichen Werte fest; bei Widerspruch gilt das Stammblatt (Lektorats-Stand Juni 2026). Die theoretischen Ahnen sind offen benannt statt versteckt: Marktsozialismus (Lange/Lerner), NGDP-Geldtheorie (Sumner), ökologische Ökonomie (Daly, Georgescu-Roegen), kybernetische Planung (Beer, Cockshott/Cottrell) und der unternehmerische Staat (Mazzucato). Eingebracht wird das Modell über den demokratischen Kanal DZF.
Die Prinzipien — fünf Felder und ein Leitwert
Der Zahlen-Kanon: verbindliche Konstanten statt Gummiwerte
Damit das Modell überprüfbar bleibt, sind zentrale Größen als feste Kanon-Werte definiert — jede Änderung wird nur am Stammblatt gepflegt:
Geldordnung: stabiler Nominalpfad statt Gelddruck-Romantik
Die Z-Bank hält das nominale BIP auf einem Zielpfad (NGDP-Level-Targeting nach Sumner). So dürfen Einzelpreise durch Produktivität fallen — „gute" Deflation —, während das aggregierte Preisniveau stabil bleibt. Geldfinanzierte öffentliche Investitionen sind nur unter vier harten Toren zulässig: nominales BIP unter Zielpfad, realer Slack mit Engpass-Test, gestaffelte Auszahlung nach Baufortschritt und eine automatische Stopp-Bremse bei Überhitzung. Altschulden werden gegen Deflationsrisiken indexiert (Fisher-Schutz).
Selbstkorrektur gehört zum Modell: Eine frühere eigene Geldtheorie („Capacity-Covered Minting") wurde nach unabhängiger Gegenprüfung als Real-Bills-Fehler verworfen und durch diesen Anker ersetzt — der Vorgang ist im Korpus dokumentiert, nicht gelöscht.
Planung mit Grenzen, Wettbewerb mit Regeln
ZESSARIA nimmt das Wissensproblem (Hayek) ernst: Ein Planungs-Betriebssystem („Plan-OS") koordiniert Logistik, Bedarfsprognosen, Lager, Engpässe und Infrastruktur — aber es ersetzt keine Preisfindung für neue Güter und Präferenzen; dort bleiben Märkte maßgeblich. In der Regulierung gilt statt universellem Kostenaufschlag: Price-Cap und Yardstick-Wettbewerb für natürliche Monopole, damit Effizienzgewinne belohnt und trotzdem weitergegeben werden. Transparenz liefert ein Open-Ledger-Prinzip — dieselbe Offenlegungs-Logik, die auch die Friedensinitiative FFW für ihre Finanzen vorsieht.
Produktivität ehrlich: Lernkurven statt Wunder
Der Korpus verspricht kein gesamtwirtschaftliches „10×": Die Frontier-Produktivität wächst historisch um etwa 1 % pro Jahr. Belegbar sind sektorale Lernkurven — etwa bei Photovoltaik und Batteriespeichern mit Kostensenkungen von rund 85–90 % pro Dekade. Die Strategie: Lernkurven in Schlüsselsektoren bündeln und die Kostensenkung sofort weitergeben. Die 20-Stunden-Woche ist dabei primär eine Automations-Frage, keine Wachstums-Wette — und sie ist hart sequenziert: Arbeitszeit wird nie schneller gekürzt, als Roboter- und KI-Arbeit tatsächlich nachrückt. Die technologische Grundlage dafür beschreibt die Säule MEGA EUROPA.
Eine Transformation auf Zeit
ZESSARIA versteht sich als langfristiges Programm, nicht als Umsturz von heute auf morgen:
- 0–10 Jahre: Pilotprojekte und Parallelstrukturen — erste Hubs, Fonds und offene Programme in ausgewählten Regionen.
- 10–30 Jahre: Skalierung in Energie, Bildung, Gesundheit; Verstetigung demokratischer Institutionen.
- 30+ Jahre: breite Verankerung der Prinzipien — faire Verteilung, postfossile Energie, stabile Klima-Situation.
Offene Baustellen — ehrlich markiert
Der Korpus benennt, was noch nicht bewiesen ist: Der quantitative Tragfähigkeits-Nachweis, dass 20-Stunden-Woche, Gratis-Grundversorgung und Schuldenabbau gleichzeitig finanzierbar sind, steht als lauffähiges Stock-Flow-Consistent-Modell (nach Godley/Lavoie) noch aus — die bilanzielle Schließung ist skizziert, aber nicht kalibriert. Fonds, Steuern und Rückflüsse werden dabei ausdrücklich nicht doppelt gezählt: Jede Ausgabe muss innerhalb derselben Budgetidentität gedeckt sein. Solche offenen Punkte stehen im Korpus neben den Antworten — das ist der Leitwert „radikale Wahrheit", auf das eigene Modell angewendet.